Verein Deutsche Sprache
Wer gerne einmal lachen will, der sollte einen Blick ins Periodikum des VDS (Verein Deutsche Sprache) werfen. Dort nämlich hat offenbar die Spaßgesellschaft wieder Einzug gehalten, denn allzu ernst kann das, was wir in jenem Blättchen lesen können, ja kaum gemeint sein. Oder ist tatsächlich zu fürchten, dass der VDS bald schon so eine Art Gesetz zum Schutz der nationalen Symbole fordern wird? Angesichts der Texte, die wir in der Postille des VDS lesen müssen, ist davon in der Tat auszugehen. Nun ja, möglicherweise ist er letztlich doch kein Ulk, der Versuch, der deutschen Sprache den nötigen Raum zum Leben zu verschaffen?
Haben sie aber nicht dennoch Bewunderung verdient, all die Krämerseelen, die für die Artikel verantwortlich zeichnen? Ihr rührselig-sentimentaler Hang zur Rechtschreibung von 1901 sollte in der Tat unterstützt werden. Zweifellos gehört solch ein Unfug verboten, zweifellos sollten die neuen Schulbücher aus den Schulräumen verbannt, oder, besser noch, auf dem Schulhof dem Feuer übergeben werden. – Ganz interessant übrigens, dass Albrecht Schöne anno 1994 in seiner Edition des Faust mit Bezug auf die Zeichensetzung von den "heutigen, ohnehin unsinnig festgezurrten Duden-Regeln" spricht (Seite 109 der Taschenbuchausgabe). Goethe selber war der Auffassung, es habe sich "in der deutschen Schrift, dadurch daß man mehr liest als hört, die Gewohnheit eingeschlichen viel zu viel Kommata zu machen" (zitiert nach Schöne, Seite 110). Aber das nur am Rande.
Zurück zum VDS, dessen Mitglieder sich mit Leib und Seele vor allem einem Kampfe widmen: Mit dem Stahlhelm auf dem Kopf streiten sie wider alle Anglizismen und Amerikanismen. Das ist schön und lobenswert. Doch schön und lobenswert wäre es vor allem dann, wenn der Kampf nicht gar so dogmatisch geführt würde. Sicher ist es richtig, die Homepage eine Startseite zu nennen (trotz des Starts), sicher ist es vernünftig, die Werbung anzuprangern ("Come in and find out"); doch nicht gegen alles muss man kämpfen. Braucht es eine Übersetzung für das Internet, für den Laptop (Schoßrechner zum Beispiel)? Ist es cool, ruhig zu sein oder nüchtern oder lässig oder toll oder besonnen oder was auch immer? Cool ist cool, nichts sonst.
Einen merkwürdigen Anglizismus leistet sich übrigens auch der VDS: Zumindest auf der Titelseite wird das Mitteilungsblatt des VDS als "sprach nachrichten" bezeichnet; es wird klein und auseinander geschrieben also, ja, nicht mal durch einen Bindestrich aneinander gekoppelt. Und spätestens jetzt wird klar, dass der VDS sich selber doch nicht so furchtbar ernst nimmt, dass doch alles nur ein Spaß ist, dass der VDS eben doch kein Gesetz zum Schutz der nationalen Symbole fordern wird, dass der VDS der deutschen Sprache doch nicht den nötigen Raum zum Leben verschaffen will. Diese Hudelei hat die Krämerseelen als Spaßmacher entlarvt, diese Hudelei und noch eine zweite: Wer statt einer Gesinnung nur noch eine Gesonnung hat ("wohlgesonnen", Ausgabe 30, Seite 19), der kann die deutsche Sprache nun wirklich nicht ganz ernst nehmen.



















Mir fällt auch immer wieder die Verkrampftheit des VDS im Umgang mit anderen Sprachen auf. Ich stehe Anglizismen sehr skeptisch gegenüber und versuche deren Gebrauch auf's Minimum zu reduzieren. Aber manchmal gibt es eben kein passendes deutsches Wort. Deutsche Worte werden auch in anderen Sprachen verwendet. Das ist doch ein ganz natürlicher Prozess.
Was mir immer noch Rätsel aufgibt ist aber die Frage: Wieso bekomme ich eigentlich die "sprach nachrichten" zugestellt?
Kommentiert von: Oliver Stör | 18. April 06 um 20:09
Die Sprach-Nachrichten enthalten Artikel verschiedener Autoren und spiegeln unterschiedliche Meinungen wieder. In einem Verein mit 25.000 Mitgliedern gibt es Mitglieder jeglicher Ausprägung: Ernste, Humorvolle, Kleinliche, Großzügige, Verbohrte und Tolerante.
Schlagen Sie jede andere Zeitung auf. Sie werden überall Artikel finden, die Sie ärgern oder die nicht Ihrer Meinung entsprechen.
Lesen Sie doch einmal die Leitlinien des Vereins unter
http://vds-ev.de/verein/leitlinien.php
und Sie werden den VDS als verständigen Verein kennenlernen.
Fremdwörter, die in unserer Sprache ein Lücke füllen können, lehnt der VDS nicht ab. Denken Sie aber an solche überflüssigen Wörter wie Flyer (Faltblatt, Handzettel, Flugblatt) oder Statement (Erklärung, Darlegung, Bericht, Meinung,Aussage, Vortrag ...). Jeder sollte selbst darauf achten, daß sein Wortschatz deutlich und abwechselungsreich ist, ohne auf fremde Wörter auszuweichen. Diesen Wortschatz sprachbewußter Bürger kann man beim Lesen der Sprach-Nachrichten schulen, soweit man bereit ist, das Nützliche zu sehen.
Heinz-D. Dey
Kommentiert von: Heinz-Dieter Dey | 19. April 06 um 09:50
Statt rumzumäkeln sollten Sie im VDS mitarbeiten und sich davon überzeugen, daß wir keine weltfremdem Spinner sind, die partout keinen Anglizismus mehr gelten lassen wollen. Wir sind Leute, die ihre Muttersprache als ein wertvolles Kulturgut betrachten und dieses bewahren wollen.
Kommentiert von: Hans-Joachim Grobe | 19. April 06 um 18:24
Na ja, sehr viel entspannter ist ihre Klage nicht, lieber Herr Stör, aber Sie haben schon recht, es gibt auch Verkrampfte im VDS. So weit ich das überblicke, befinden sich bspw. im Vorstand nur Leute, die in Fremdsprachen ganz gut zu Fuß sind. Tun Sie sich den Leitartikel in dieser Ausgabe der Sprachnachrichten an:
Es geht um die Muttersprachen
Der VDS besitzt keine einheitliche Parteilinie, das ist nunmal so in der FDGO.
Mit besten Grüßen, Ihr Baer
Kommentiert von: Oliver Baer | 19. April 06 um 21:17
Lieber Herr Stör,
ich bemerke erst jetzt, dass Sie die eMail-Adressen der Kommentatoren zu verstecken versäumen. Das ist in Blogs nicht die feine Art.
Oliver Baer
Kommentiert von: Oliver Baer | 19. April 06 um 21:19
Früher war in diesem Blog die Angabe einer Email-Adresse zum Kommentieren nicht notwendig. Dadurch kam es zu einer Reihe von Kommentar-Spam Attacken. Wenn Sie eine URL angeben, wird die Email-Adresse nicht veröffentlicht. Die Email-Adresse selbst wird spam-sicher kodiert.
Ob das die feine Art ist, muss jeder selbst entscheiden, ich kenne einige Blogs, in denen die Email-Adresse bei Kommentaren mit veröffentlicht wird.
Kommentiert von: Oliver Stör | 20. April 06 um 19:35
Hallo Herr Stör,
mehrfach verwenden Sie das abwegige Wort "Email" - manche kommen halt sehr spät auf manches. Laut Bastian Sick ist Email ein Schmelzüberzug, der sich nur schwer für den elektronischen Postversand eignet.
Hajo Schneider
Kommentiert von: Hajo Schneider | 23. April 06 um 16:41
Der Kommentar des Herrn Stör der den VDS mit dem
Stahlhelm auf dem Kopf anprangert nötigt mir als Kommentar kurz und schmerzlos nur den urdeutschen Begriff "Arschloch" ab. Vermutlich handelt es sich um einen Denglisch-Dackel.
Kommentiert von: Rudolf Hans Zillgith | 23. April 06 um 20:04
Wuff, wuff.
Kommentiert von: Oliver Stör | 24. April 06 um 16:41
@Christian: Haben sie aber nicht dennoch Bewunderung verdient, all die Krämerseelen, die für die Artikel verantwortlich zeichnen? Ihr rührselig-sentimentaler Hang zur Rechtschreibung von 1901 sollte in der Tat unterstützt werden. Zweifellos gehört solch ein Unfug verboten, zweifellos sollten die neuen Schulbücher aus den Schulräumen verbannt, oder, besser noch, auf dem Schulhof dem Feuer übergeben werden.
Bücherverbrennung? Schon wieder...? Die Toleranz und Gelassenheit, die du von "all den Krämerseelen" einforderst, solltest du auch bei dem Reförmchenlein gelten lassen. Im Übrigen ist der VDS in der RSR-Frage neutral geblieben und hat nie Resolutionen gegen die RSR unterschrieben. Das hat sich schon bis zur Wikipedia herumgesprochen: http://de.wikipedia.org/wiki/Verein_Deutsche_Sprache
@Christian: Einen merkwürdigen Anglizismus leistet sich übrigens auch der VDS: Zumindest auf der Titelseite wird das Mitteilungsblatt des VDS als "sprach nachrichten" bezeichnet; es wird klein und auseinander geschrieben also, ja, nicht mal durch einen Bindestrich aneinander gekoppelt.
Wie jeder weiß, der schon einmal die Sprachnachrichten heruntergeladen hat, ist der benörgelte Schriftzug ein grafisches Element, das in keinem Textzusammenhang steht. Man kann diesen "Anglizismus" auch künstlerische Freiheit nennen, die sich die "Kämpfer mit dem Stahlhelm auf dem Kopf" in einer "rührselig-sentimentalen" Kampfpause gönnen :-)
@Christian: Braucht es eine Übersetzung für das Internet, für den Laptop (Schoßrechner zum Beispiel)?
Not really :-) Zumal auch in den Sprachnachrichten ständig vom Internet die Rede ist und ich hier auch keinen Schoßrechner entdecken konnte.
Kommentiert von: Sprachwachtel | 09. Juni 06 um 21:58
Der Begriff "Laptop" bzw. Schoßrechner wird zunehmend durch Klapprechner ersetzt. Finde ich gut.
Kommentiert von: | 11. Oktober 06 um 20:49
Lieber Herr Stör,
zu Ihrem Versuch, den VDS und die "Sprachnachrichten" lächerlich zu machen, meine ich: 80 bis 90 Prozent der Artikel in diesem Vereinsorgan haben mehr Substanz und Relevanz und sind intellektuell redlicher als Ihr unqualifizierter Verriss, mit dem sie eine überlegen-kosmopolitische Haltung zum Ausdruck bringen wollen. Die Verteidigung der eigenen Sprache lächerlich zu machen (obwohl diese Verteidiger durchaus Respekt vor anderen Sprachen haben), reicht nicht aus. So stellt sich "Klein-Moritz" die "große Welt" vor - unbd würde sich dort nur blamieren.
In diesem Sinne Grüße
F. S.
Kommentiert von: Franz Stark | 11. November 06 um 23:08
Die bissigen Kommentare zum VDS bestärken mich umsomehr diesen Verein zu unterstützen,zumal ich schon lange der Meinung bin, fremdsprachlich ein Fremder im eigenen Land zu sein.
Was macht der VDS? Er macht viel weniger als z.B. Frankreich seine Sprache und Kultur schützt.
Kritiker des VDS sind anscheind solche multikulturellen Verderber, die nicht nur die Sprache auf ein unerträgliches Maß herbführen wollen, sondern am liebsten die ganze deutsche Nation gleich mit.
Kommentiert von: Schmidt | 23. Juli 07 um 13:05
Sehr geehrte Damen und Herren,
das „Compendium Wortschatz Deutsch-Deutsch“ (2001. 416 S.) liegt jetzt als
erweiterte Neuausgabe (2006. VIII, 508 S.; ISBN 978-3-8334-9110-8) vor.
Über 1.190 Stichwörter sind zusätzlich indiziert. Viele Umschreibungen sind neu gefasst, insbesondere mit Wörtern aus Fremdsprachen.
Außerdem wurde die Neuausgabe für Korrekturen sowie für graphische Verbesserungen des Layout genutzt.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Guido Schmitz-Cliever, Aachen
PS: Nähere Informationen (mit Beispielseiten) auf der aktualisierten Website
www.compendium-wortschatz.de
Kommentiert von: Dr. Guido Schmitz-Cliever | 24. Juli 07 um 17:17
Werft doch mal einen Blick in das dem Verein zugehörige Forum: www.vds-ev.de/forum. Dort lässt es sich wunderbar diskutieren, bis auf folgende, nicht weiter ins Gewicht fallende Mängel:
1. Beiträge zur Rechtschreibung und ihrer Reform werden gnadenlos abgewürgt. Verantwortlich: Josef "jupp" Braun, Administrator.
2. Beiträge, in denen von Zensur, Löschung usw. die Rede ist, werden automatisch von der Forensoftware gelöscht.
3. Beiträge, die auf andere Sprachforen hinweisen, werden gelöscht. Verantwortlich: Josef "jupp" Braun, Administrator.
4. Signaturen, die auf o.g. Foren hinweisen, werden geändert oder gelöscht. Verantwortlich: Josef "jupp" Braun, Administrator.
5. Nutzer, die sich o.g. Verbrechen schuldig gemacht haben, werden gesperrt. Verantwortlich: Josef "jupp" Braun, Administrator.
Ansonsten kann man mit dem Forum ganz gut leben, wenn man akzeptiert, dass Josef "jupp" Braun, Administrator, das letzte Wort hat.
Andreas Mascher, Ex-Mitglied des VDS
Kommentiert von: Andreas Mascher | 05. September 07 um 18:36
Lieber Herr Stör. ihren Schmutz, den Sie über den VDS ausschütten, könnte man auch genauso als übelste Hetze
der gemeinsten Art einstufen. Ich freu mich, daß es endlich so einen engagierten Verein gibt, der sich für den Erhalt unserer schönen Kultursprache einsetzt. In Frankreich und Polen gibt es sogar Gesetze zum Schutz der eigenen Sprachkultur. Sind Sie, Herr Stör, vielleicht fremdgesteuertim Interesse irgendwelche Lobbyisten?
Ihre schmutzigen Attakten werden mich bestärken, mehr für den Verein deutscher Sprache künftig einzusetzen. Sie sehen, Sie haben gerade das Gegenteil von dem erreicht und sich weltweit lächerlich gemacht.
Kommentiert von: Schmidt | 11. Oktober 07 um 11:53
"To whom it may concern":
Ich schreibe gerade meinen "Blogtipp" über dieses Blog (für die Frankf. Neue Presse) und bin ganz entzückt von der regen, schön kontroversen bis polemischen Diskussion.
Auch fällt mir zum Thema Sprachschutz/zuviele Fremdwörter ein Scherz ein, dem mir mein in Italien als Mönch lebender Onkel mal erzählt hat. Jedenfalls geht es darin so ungefähr (die Sache ist ewig her, ich erzähle das also nicht "als" Witz, sondern rein inhaltlich) um den epochalen Beschluss im früheren "Reich des Bösen", das Lateinische aus der Sprache des Neuen Menschen auszumerzen (am besten rückwirkend à la Stalin mit seinen retuschierten Fotos und Büchern voller Ausreißungen), um so den bösen Klassenfeind im Westen und die römische Reaktion mit ihrem bekannten Mangel an Bataillonen an der Wurzel zu treffen. "GLORIOS, Genosse GENERAL SEKRETÄR Breschnew", gibt Italiens PCI-Chef Berlinguer ihm recht (oder auch nicht), "das PROLETARIAT wird JUBELN! Stellen Sie Ihre GENIALE IDEE bei der KONFERENZ des POLIT BÜROS des ZENTRAL KOMITEES der KOMMUNISTISCHEN PARTEI der SowjetUNION vor?"
Der Sinn dürfte klar sein...
Kommentiert von: Marcus | 14. Oktober 07 um 21:06
Moin!
Auch ich habe schon die Bekanntschaft mit dem vds machen dürfen. Für mich in erster Linie schlichtweg deutschtümelnde, rückwärtsgewandte, stark politisch rechts stehende Rechthaber. Kritik wird in dem vds-forum nicht gerne gesehen. Da bleibt man lieber unter sich...DAS sollte zu denken geben! :-(
Kommentiert von: Stefan Daenekas | 12. Januar 08 um 21:46
Lieber Stefan, den vds als deutschtümelnde, rückwärtsgewandte und stark rechtsstehende Organisation zu beschreiben, grenzt schon fast an Volksverhetzung der übelsten Sorte. Ich habe weder rückwärtsgewandte noch politisch irgend eine Richtung dort wahrgenommen, sondern ledigklich das Bestreben das höchste Kulturgut was wir haben, die Sprache, zu schützen. Aber vielleicht gehörst Du auch zu den zerstörerischen Elementen, die unser Land kaputtreden wollen. Wird Dir aber nicht gelingen!
Kommentiert von: Reiner | 16. November 08 um 17:02
Ui! Volksverhetzung? Artikel 5 des GG gewährt einem Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung :-)
Da sollten Sie sich noch einmal im Forum umschauen, in welcher Richtung hier, vor allen Dingen in welcher politischen Richtung argumentiert wird. Und dann noch einmal überlegen, ob Sie zu dem stehen, was sie hier schrieben.
Kommentiert von: Stefan Daenekas | 28. November 08 um 14:45
Man sollte dem VDS helfen. Nein, ehrlich! Die Vereinsziele sind doch aller Ehren wert und seine Mitglieder kann sich doch sowieso kein Verein aussuchen. Der VDS schon gar nicht, da er um jeden Euro Einnahmen kämpfen muss.
Lest mal den "Zweiten Zwischenbericht zur Beobachtung des Vereins Deutsche Sprache e.V." - dort findet ihr Tipps zum Umgang mit dem VDS.
Tim
Kommentiert von: Tim Brockmann | 03. Juni 09 um 17:00
Da hab ich woll zu viel Äppelwoi trunken: Der Link fehlt natürlich:
http://freisprecheinrichtung.files.wordpress.com/2009/04/zweiter_zwischenbericht_zur_beobachtung_des_vereins_deutsche_sprache_e-v.pdf
Kommentiert von: Tim Brockmann | 12. Juli 09 um 23:21