Wem wann die Stunde schlägt
Elf russische Zeitzonen sollen auf vier reduziert werden
Moskau: Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob die Umstellung der Standardzeit auf die Sommerzeit sinnvoll ist oder nicht; auch in Deutschland gibt es neuerdings wieder Diskussionen um dieses Thema, da einerseits das Argument in die Waagschale geworfen wird, der Biorhythmus von Mensch und Tier werde erheblich gestört, andrerseits hat sich herausgestelt, dass die erhoffte Energieeinsparung wohl vernachlässigbar ist. Mit diesem Gedanken war in der Bundesrepublik 1980 die Sommerzeit wieder eingeführt worden, die es schon in den 40er Jahren bis in die Nachkriegszeit gegeben hatte. Von 1950 bis 1979 gab es dann keine Sommerzeit mehr, doch gemeinsam mit der DDR schloss man sich im Zusammenhang mit der so genannten Ölkrise anderen europäischen Ländern an, die bereits zuvor eine solche Regelung zur Zeitumstellung getroffen hatten.
Auch in Russland gibt es Überlegungen, auf diese Zeitumstellung in Zukunft zu verzichten. Gleichwohl wird eine Regelung nur einvernehmlich mit allen Staaaten zu erzielen sein, da im Zeitalter der Globalisierung, zuviele Faktoren wirtschaftllicher und gesundheillicher Art eine Rolle spielen dürften. Es gibt allerdings noch ganz andere Überlegungen, die weit über das Thema Sommerzeit hinausgehen. Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat jetzt in seiner Jahresbotschaft an das Parlament im Kreml nämlich vorgeschlagen, die Zahl der Zeitzonen in Russland von elf auf vier zu reduzieren. Der Vorschlag basiert offensichtlich auf einer Idee von Professor Gennadij Lazarew, dem Rektor der Wirtschaftsuniversität Wladiwostok, der sich Ende Oktober darüber ausgelassen hatte, nur noch die Zeitzonen Kaliningrad, Moskau, Ural und Sibierien zu behalten. Damit würde der Zeitunterschied zwischen Wladiwostok und Moskau statt sieben nur noch vier Stunden betragen.
Laut dem Präsidentenberater Arkadij Dworkowitsch ist es jedoch noch entschieden zu früh, über eine Zusammenlegung von Zeitzonen zu sprechen. Über diese Frage werde noch einige Jahre diskutiert. "Es ist noch zu früh zu sagen, ob diese Verschmelzung überhaupt zustande kommt", sagte Dworkowitsch und bremste damit gewissermaßen seinen Chef schon wieder aus. Auch bleibt unklar, welchen Vorteil eine solche Schrumpfung der Zeitzonen mit sich bringen würde – auch wieder und vor allem für die betroffenen Menschen.
Die heutige Weltzeit hatte der kanadische Ingenieur Standford Flaming in den 1880er Jahren erfunden. 1884 unterschrieben 26 Staaten ein Abkommen über die Zeitzonen. Das System der Weltzeit basiert auf einer theoretischen Unterteilung der gesamten Weltkugel in 24 Zeitzonen zu je 15 Grad. Der Zeitunterschied zwischen den Zonen beträgt eine Stunde. Der Greenwitch-Nullmeridian, der durch London verläuft, ist der Abzählpunkt für alle Zeitzonen. Praktisch liegen die Zeitgrenzen jedoch nicht strikt an den Meridianen, sondern sind staatlich bedingt und werden oft durch Ländergrenzen beeinflusst.. Die Breite einer Zeitzone in verschiedenen Staaten und sogar in einem Land kann sich stark von der geometrischen Unterteilung unterscheiden.
(Textquelle und Foto: © RIA Novosti)



















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