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10. März 10

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Zitat des Tages
"Egoismus, Rücksichtslosigkeit ist die moderne Krankheit. Nietzsche der Vater. Gegenteil von christlicher Nächstenliebe. Finde es schrecklich barbarisch, brutal, nur an sich zu denken, für sich zu sorgen, andere Menschen mit Füßen zu treten."

OTTO MODERSOHN
Tagebucheintrag vom 28. Juni 1902, zitiert nach: Ehen in Worpswede, herausgegeben von Hannelore Schlaffer (Ostfildern, o.J., Seite 44)

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25. Januar 10

Verdammt viel Glück gehabt

Der Urahn des Menschen war vom Aussterben bedroht 

Salt Lake City/Leipzig (pte): Könnte man mit einer Zeitmaschine 1,2 Mio. Jahre in die Vergangenheit reisen, stünden die Chancen äußerst gering, dabei einen Vertreter des damals lebenden Homo erectus zu finden. Humangenetiker der University of Utah (www.utah.edu) berichten jetzt im Fachmedium  „Proceedings of the National Academy of Science", dass es in dieser Zeit nur rund 20.000 Frühmenschen gegeben haben dürfte, wenngleich sie sich damals bereits über Afrika, Asien und Europa verbreitet hatten. "Nicht nur unsere Spezies Homo sapiens, sondern auch unsere Vorfahren waren über lange Zeit kurz vor dem Aussterben", erklärt Studienautor Lynn Jorde. 

Grundlage für diese Aussage ist die extrem geringe genetische Vielfalt des Menschen, vergleicht man ihn mit anderen lebenden Primaten. Ein bisheriges Erklärungsmuster dafür sind Engpässe im Laufe der Geschichte, bei denen ein Großteil unserer Urahnen getötet oder fortpflanzungsunfähig wurde. Solche Ereignisse könnten etwa die Auswanderung aus Afrika oder der Ausbruch des Super-Vulkans Toba in Indonesien darstellen, der vor 70.000 Jahren einen weltweiten nuklearen Winter ausgelöst haben dürfte. 

Die aktuelle Forschung spricht allerdings dafür, dass es über hunderttausende Jahre hinweg eine dauerhaft niedrige Population von vielleicht nur 10.000 fortpflanzungsfähigen Menschen gab. Die Genetiker nutzten dabei sogenannte Alu-Sequenzen der DNA, die sich nach dem Zufallsprinzip selbst in das Genom einpflanzen können. Das geschieht zwar äußerst selten, doch bleiben stabile Mutationen zurück. Durch deren Vergleich in zwei komplett sequenzierten Menschengenomen konnte die Diversität und Populationsgröße der Vorfahren bis zum Homo erectus rückberechnet werden. 

„Das Ergebnis bestätigt die Vermutung, dass früher nur sehr wenige Menschen den Planeten besiedelten", so Johannes Krause, Humangenetiker am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie www.eva.mpg.de in einem Gespräch mit der Agentur pressetext. Erst seit 2.000 Jahren sei dank der Verbreitung der Landwirtschaft die Weltbevölkerung rasch angestiegen. „Auch zu Zeiten des Neandertalers vor 100.000 Jahren war die Gesamtpopulation ähnlich klein." Der ausbleibende Bevölkerungsanstieg sei auf harte Lebensumstände zurückzuführen. „Der Kannibalismus, der beim Neandertaler häufig dokumentiert werden konnte, deutet viel eher auf extremen Nahrungsmangel als auf rituelle Techniken", so der Experte. 

Allerdings liege selbst heute bei sechs Milliarden. Menschen die „effektive" Populationsgröße, die ein Maß für die Diversität der Gene ist, nicht über derjenigen vor 1,2 Mio. Jahren. „Der Mensch hatte in den vergangenen 2.000 Jahren kaum dazu Zeit, neue Mutationen entstehen zu lassen. Trotz verschiedener Hautfarben sind wir uns unglaublich ähnlich, vergleicht man etwa dieselben DNA-Sequenzen zweier Menschen." 

Dass es dem modernen Menschen samt seinen Vorfahren überhaupt gelungen ist, bis heute zu überleben, dürfte er seiner großen Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit verdanken. „Es ist erstaunlich, wie viele Sozialisierungs- und Jagdformen der Mensch in den vergangenen Jahrtausenden entwickelt hat. Eine derartige Vielfalt ist den Schimpansen und Gorillas bei weitem nicht gelungen", berichtet Krause. Rein biologisch stelle die geringe Anzahl von Individuen allein noch keine Hürde für das Überleben dar. " Auch die Population mancher Wale wächst wieder, nachdem sie der Mensch bis auf wenige hundert Exemplare ausgerottet hatte."

 

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