Kalenderblatt
09. Februar 10

Geburtstag: Alban Berg, Komponist (1885)
Todestag: Karl Valentin, Komödiant (1948)
Heiliger des Tages: Apollonia, Jungfrau (Patronin der Zahnärzte)
Weiteres zum Tage: Im Vatikanstaat wird die Republik ausgerufen (1849)

Zitat des Tages
"Fremd ist der Fremde nur in der Fremde."

KARL VALENTIN
'Die Fremden' (Dialog aus dem Jahr 1940, u.a. in: Das Beste von Karl Valentin, herausgegeben von Elisabeth Veit, München 2002, Seiten 36 bis 38)

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64 posts categorized "Sport"

09. Februar 10

„Nonsense“-Highway

Mäßiger Fünf-Ringe-Enthusiasmus in Vancouver 

Vancouver (isk): Ein Blick nach Kanada, ein Blick nach Vancouver. Dort werden am 12. Februar die Olympischen Winterspiele beginnen und zwei Wochen später enden. Die Züge der neuen Canada Line, die Downtown Vancouver mit dem Flughafen und Richmond im Süden verbindet, sind gut ausgelastet. Trotzdem schimpfen einige, dass dieses Geld (immerhin rund 1,3 Milliarden Euro) für andere Projekte besser angelegt sei. Auch der neue Highway „Sea to Sky“ ins Ski-Depot Whistler (400 Millionen Euro) sei bloß für die 17 olympischen Tage sinnvoll – und damit „Nonsense“ (The Globe and Mail). Alles also nur Anti-Olympioniken an der kanadischen Westküste? Natürlich auch viele Befürworter, und das kritische  Beäugen gehörte bislang zu allen Olympischen Spielen, spätestens nach der ersten Goldmedaille für die Gastgeber rücken sie dann in den Hintergrund.. Dann ziehen die Olympics (fast) alle in ihren Bann. Wahrscheinlich jedenfalls. 

Den ausländischen Ankömmlingen am Airport schlägt jedenfalls nicht gerade der große Enthusiasmus entgegen. So präsentierte sich Vancouver auch vor Jahresfrist bei den Test-Wettkämpfen auf Eis und Schnee. Und damals war es viel kälter, echt winterlich sogar. Ein paar gesperrte Straßen, die Olympic Lane (gerne von Radfahrern benutzt) und Fähnchen weisen auf das Großereignis hin. In der City nehmen die Dekorationen im Olympia-Design vorsichtig zu, sind gewaltige Umleitungen zu befolgen. Gelb gekleidete Menschen halten Schilder mit Stop und Slow in die Höhe, die zahlreichen offiziellen Autos des GM-Fuhrparks (fast unvorstellbar, dass sich außerhalb von Vancouver noch ein Modell dieser Marke findet…) sind im offiziellen Design lackiert, rollen aber – noch – meist ohne Passagiere durch die Gegend. Wahrscheinlich üben die Chauffeure den bevorstehenden Ernstfall. Ein Blatt kündigt gar „Street Games“ an, weil der öffentliche Nahverkehr, trotz der Canada Line, hoffnungslos überfordert sein dürfte. 

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08. Februar 10

Maskenmänner

Sven Sonntag schoss das „Sportfoto des Jahres“ 

Nürnberg (ots): Das kuriose Siegerfoto mit dem Titel "Maskenball" schoss Sven Sonntag (44) beim Regionalligaspiel Türkiyemspor Berlin gegen den Chemnitzer FC. Das Besondere in dieser Partie war,  dass auf beiden Seiten "Maskenmänner" spielten. Der Fotograf erkannte die ungewöhnliche Situation und löste im richtigen Moment aus. 

Mit 672 eingereichten Motiven von 86 Fotografen ging der Wettbewerb "Das Sportfoto des Jahres" zu Ende. Unter der Federführung von kicker-sportmagazin, in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Sportjournalisten, hat eine Jury von Fachleuten, darunter kicker-Herausgeber Rainer Holzschuh, 25.000 Euro an Preisgeldern verteilt. Im Wettbewerb wurden Bilder in vier Kategorien bewertet. "Das Sportfoto des Jahres" erhält 5000 Euro und ist damit der höchst dotierte Preis für Sportfotografen in Deutschland. Alle ausgezeichneten Motive wurden am 8. und werden am 15. Februar in kicker-sportmagazin veröffentlicht. Danach gehen Großkopien der prämierten Fotos und eine Auswahl der schönsten Bilder in einer Wanderausstellung auf Deutschland-Tournee. "Das Sportfoto des Jahres" wird seit 1963 vom VDS vergeben. (Fotoquelle: obs/Sven Sonntag/picture point).

19. November 09

Comeback des großen Gegners

Westdeutsche Allgemeine über die Wandelbarkeit im Fußball 

Essen (ots) - Was lange genug wiederholt wird, hat eine gute Chance, im Kopf zur festen Größe zu werden. So weiß der Deutsche nach Jahren der Gehirnwäsche durch die Trainer der deutschen Fußball- Nationalmannschaft endlich: Es gibt keine kleinen Gegner mehr. Auch San Marino zum Beispiel ist kein  kleiner Gegner. San Marino ist ein Gegner, dem mit Respekt begegnet wird, den Urs "der Chefscout" Siegenthaler über Monate hinweg beobachtet hat, von dessen Spielern er berichten kann, ob sie glücklich verheiratet sind oder unter leistungsfressendem Beziehungsstress zu leiden haben. Und jetzt das. Ein WM-Testspiel gegen Argentinien ist für März 2010 bereits fixiert, und es wurde verhandelt über weitere Partien gegen Frankreich, Spanien und England, die von Teammanager Oliver Bierhoff ausdrücklich als "Topgegner" deklariert wurden. Was bedeutet: Es muss auch kleine Gegner geben. Was bedeutet: Das Wissen, das uns mühsam eingetrichtert wurde, ist nur Hirnschrott. Andererseits: Das ahnten wir immer schon. 

(Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

06. November 09

In der Todeszone

Extremsport birgt Gefahren für Mensch und Umwelt 

Neu-Isenburg: Die Extremisten der Wohlstandswelt sind gewöhnlich nicht politisch, sondern eher sportlich motiviert. Auf dem weiten Feld des ausufernden Körperkults und der Suche nach beflügelndem Seelenheil finden sie alles, was ihrem Egotrip zuträglich erscheint. Sie wollen die Grenzen der persönlichen Leistungsfähigkeit ausloten und dabei am liebsten auch gleich überschreiten. So werden ständig neue Rekordmarken gesetzt,  immer spektakulärere Ziele verfolgt und menschenmögliche Bewertungsmaßstäbe verschoben. Den ohnehin kleiner werdenden Refugien unberührter Natur auf dem Erdball Gewalt anzutun, gehört dabei immer häufiger zum Prinzip. Schließlich sind Nachahmereffekte bis hin zum Massenauftritt selbst hier nicht zu unterschätzen. So bleibt kein Gipfel unbezwungen, kein Tiefsee-Tauchgang ohne Folgen, keine Polar- oder Urwaldregion und auch keine Wüste dieser Welt von sportambitionierten Grenzverletzungen verschont. Die letzten Abenteuer der Menschheit verkommen zu sportlichen Herausforderungen – notfalls mit Hilfe der Technik, die Hindernisse schrumpfen lässt. 

Zu solchen Inszenierungen von Leistungsfähigkeit in der Todeszone passt der wachsende Extremismus im Sportalltag. Da werden nicht nur neue Disziplinen in Serie „erfunden“ oder umetikettiert – als Beispiele seien Eisschwimmen, Tieftauchen, Base-Jumping, Free-Solo-Klettern, Skydiving, Einhandsegeln, Motorradakrobatik oder Wildwasserschwimmen genannt. Auch herkömmliche Sportarten wie Laufen, Radfahren, Schwimmen und Skilaufen werden durch exzessive Ausübung in vielerlei Richtung zu Risikofaktoren, die sogar Suchtgefahren beinhalten können. 

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22. Oktober 09

Olympisches Feuer

Fackellauf für Winterspiele in Vancouver begann in Olympia 

Olympia (Griechenland): Bald ist es wieder soweit und es wird olympisch, Die 21. Winterspiele im kanadischen Vancouver stehen vor der Tür (12. bis 28. Februar 2010), und für ein solches Ereignis braucht es nicht nur Schnee und Eis – was beides in Kanada erfahrungsgemäß reichlich vorhanden sein sollte –, sondern auch viel Geld, denn ohne dieses geht bei Olympia rein garnichts mehr. Außerdem bedarf es natürlich der Werbung weltweit, um  den „Event“ entsprechend vermarkten zu können und die Lust auf Fernseh-Zuschauen zu wecken. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch der Tradition wegen, gab es jetzt, knapp vier Monate vor dem Startschuss zu den Spielen, die erste große Veranstaltung. In der griechischen Westpräfektur Elis das Olympische Feuer entfacht worden. Die Zeremonie fand im historischen Stadion in Olympia, dem antiken Geburtsort der Olympischen Spiele, statt. Der Tradition entsprechend rief der Präsident des Internationalen Olympisches Koittees (IOC), Jacques Rogge (Belgien) während der Feier alle Staaten der Welt auf, den Olympischen Frieden zu wahren. Wie der Chef des Organisationskomitees Vancouver 2010, John Furlong, dabei mitteilte, wird die Fackel durch 1030 kanadische Städte getragen. Mit 45 000 Kilometern werde das der längste Fackellauf in der Olympischen Geschichte sein, an dem mehr als 12 000 Kanadier teilnehmen, sagte Furlong. Vor den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 war ein solcher zu den Spielen gehörender Fackellauf von vielen westlichen Medien in Frage gestellt worden; im Zusammenhang mit Vancouver ist davon nicht mehr die Rede. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…


26. Oktober 08

Impressionen vom Frankfurt Marathon 2008

Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008

07. August 08

Olympia - ein Rückblick (VIII)

XXVI. Atlanta, 1996: Bonjour tristesse
Es müssen schon merkwürdige Spiele sein, wenn der Auftritt eines kranken Mannes als einziges Aha-Erlebnis in Erinnerung bleibt. Am ersten Tag also entzündet der an Parkinson leidende Muhammad Ali das Olympische Feuer, das bewegt die Massen. Doch was kommt danach? Nicht mehr viel, es sind eher triste Spiele. Die Stimmung ist eh schon mies, als acht Tage nach der Eröffnungsfeier auch noch eine Bombe hochgeht, die einer Frau das Leben kostet und 111 weitere Menschen verletzt. Wer kann da schon noch fröhlich sein?

Auch sportlich hat Atlanta nicht allzu viel zu bieten. Zwar gelingt Michael Johnson das seltene Kunststück, sowohl über 200 als auch über 400 Meter zu triumphieren, doch was ist von seiner Zeit zu halten, die er für die kürzere der beiden Distanzen benötigt? 19,32 Sekunden für 200 Meter, wie ist das möglich? Die Französin Marie-José Perec tut es dem US-Amerikaner gleich, auch sie gewinnt die Läufe über 200 und 400 Meter. Die Öffentlichkeit bemerkt es kaum.

Popov_gal_s_03_2 Doch nicht alles ist schlecht. Im Schwimmstadion zum Beispiel siegt die Eleganz über die Kraft. Meist ist ein schöner Schwimmstil nur nett anzuschauen, bringt aber keinen Erfolg. Anders bei Alexander Popow, der mit seinem ästhetischen Stil dankenswerterweise auch noch schneller ist als seine Gegner. Zwei Gold- und zwei Silbermedaillen sind der verdiente Lohn, man gönnt es dem Russen.

XXVII. Sydney, 2000: Das Ende einer Ära

Redgrave_gal_s_04 Birgit Schmidt gewinnt noch immer, jetzt unter dem Namen Fischer. Ihren ersten Olympiasieg hat die 38-Jährige  vor mittlerweile zwanzig Jahren in Moskau errungen, diesmal gewinnt sie im Zweier- und Viererkajak. Eine Erfolgstory über zwei Jahrzehnte – damit steht sie im modernen Zeitalter alleine da. Oder doch nicht? Der britische Ruderer Steven Redgrave, im selben Jahr wie Fischer geboren, ist das erste Mal 1984 dabei gewesen. Dort gewann er Gold, genauso wie in Seoul, Barcelona und Atlanta. Auch in Sydney steht er wieder ganz oben auf dem Treppchen, diesmal im Vierer ohne Steuermann. Gold bei fünf aufeinanderfolgenden Spielen – für einen Ausdauersportler ein einmaliger Rekord.

Karelin_gal_s_01 Auch im Ringen gibt es einen, der immer und überall gewinnt: Alexander Alexandrowitsch Karelin. Der russische Riese ist in der Tat unschlagbar, seit dreizehn Jahren hat der 33-Jährige aus Nowosibirsk nicht einen Kampf im Superschwergewicht (griechisch-römisch) verloren. Natürlich steht der dreimalige Olympiasieger auch jetzt wieder im Finale, von seinem Gegner hat noch kaum jemand etwas gehört. Doch das Unfassbare geschieht: Karelin muss eine Wertung abgeben, liegt plötzlich 0:1 zurück. Nicht schlimm, so möchte man meinen, früher oder später wird er diesen Rulon Gardner schon noch zu Boden zwingen. Doch weit gefehlt, Karelin kommt einfach nicht an Gardner ran, der windet und dreht sich, dann ist der Kampf aus. Der Unbesiegbare ist besiegt, eine Ära ist zu Ende gegangen.

XXVIII. Athen, 2004: Irrungen und Wirrungen
Manchmal geht aber auch wirklich alles schief. Das weiß jetzt auch Matthew Emmons, der vor dem letzten Schuss des Kleinkaliber-Dreistellungskampfs deutlich in Führung liegt. Was kann da schon noch groß passieren? Man kann zum Beispiel auf die Scheibe schießen, die dem Nachbarn gehört. Ein Nuller aber in einem Wettbewerb der Schützen – das ist tödlich. Emmons fällt auf den achten Platz zurück, der Traum von Gold ist ausgeträumt.

Und was ist beim Turnen los? Die Wertungen der Offiziellen fallen jedenfalls reichlich mysteriös aus, sind die Kampfrichter etwa betrunken? Nach einer besonders abstrusen Benotung geht zwischendurch auch das Publikum auf die Barrikaden. Es nützt aber alles nichts, Alexej Nemow muss sich im Reckfinale mit Platz fünf begnügen. Noch schlimmer geht es im Mehrkampffinale zu, wo ein Zählfehler zu Ungunsten des drittplatzierten Südkoreaners Tae Young Yang das Ergebnis zu verfälschen droht. Der US-Amerikaner Paul Hamm darf seine Goldmedaille dennoch behalten.

Phelps_gal_s_08 Mark Spitz hat 1972 gleich sieben Goldmedaillen gewonnen, holt Michael Phelps noch eine mehr? Nein, nicht ganz, der US-Amerikaner muss sich mit sechs Gold- und zwei Bronzemedaillen begnügen. Trotzdem kommt man aus dem Staunen kaum raus. Erstaunliches tut sich auch im Marathonlauf der Männer. Acht Kilometer vor dem Ziel springt ein Fanatiker nach vorne, greift sich den führenden Brasilianer Vanderlei de Lima und zerrt ihn von der Straße. Als Lima sich wieder losmachen kann, hat er 20 seiner 48 Sekunden Vorsprung verloren. Kurze Zeit später stürmen der Italiener Stefano Baldini und der US-Amerikaner Mebrahtom Keflezighi an Lima vorbei, der sich irgendwie noch als Dritter ins Ziel rettet. Man glaubt das alles nicht.

Fischer_gal_s_06 Und Birgit Fischer? Natürlich gewinnt sie wieder zwei Medaillen, eine goldene und eine silberne. Wann wird das jemals aufhören?

(Alle Bilder: IOC)

06. August 08

Olympia - ein Rückblick (VII)

XXIII. Los Angeles, 1984: Ein Kugelblitz schlägt ein
Was dem einen recht, ist dem andern billig. Diesmal ist die UdSSR mit ihrem Boykott an der Reihe, vierzehn weitere Staaten sagen ihre Teilnahme ebenfalls ab. Das tut der Stimmung in den Stadien nur wenig Abbruch, vielleicht ist man ja auch ganz froh, dass der eine oder andere Favorit zu Hause Däumchen drehen muss.

Lewis_gal_s_02 Carl Lewis ist das alles vollkommen egal, er hätte so oder so gewonnen. Und doch fällt auf, dass die Zuschauer mit jedem Erfolg eher stiller als lauter werden. Was auch immer er anstellt, Lewis kann die Massen einfach nicht für sich begeistern. Man weiß es zwar nicht genau, aber vielleicht stünde der viermalige Goldmedaillengewinner ein wenig höher in der Gunst, wenn er nicht ganz so blasiert auftreten würde.

Wie anders dagegen reagiert das Volk bei seiner Landsfrau Mary Lou Retton, die mit ihrem Gewicht von 42,5 Kilogramm bei einer Größe von 1,42 Meter irgendwie an einen Kugelblitz erinnert. Immerhin, ganz konkurrenzlos geht sie nicht an den Start. Die Rumäninnen sind ja dabei, die könnten ihr gefährlich werden, allen voran Ecatarina Szabo. Doch gegen die Macht der Massen ist auch Szabo machtlos. Denn wie können die Punktrichter objektive Noten verteilen, wenn die Zuschauer bei jedem Auftritt der Retton geradezu in Ekstase geraten? Der Sieg im Achtkampf ist dem Energiebündel jedenfalls nicht zu nehmen, je zwei Silber- und Bronzemedaillen runden ihr Ergebnis ab.

Gross_gal_s_03 Vier Mann braucht es, um einen Michael Groß zu schlagen. Der 20-jährige Bub aus Frankfurt hätte die deutsche Schwimmstaffel fast alleine zum Erfolg geführt, allein die vier Jungs aus den USA hatten etwas dagegen. Hut ab auch vor der Leistung von Ulrike Meyfahrt, die zwölf Jahre nach ihrem Olympiasieg von München zum zweiten Mal den Hochsprung gewinnt.

XXIV. Seoul, 1988: Der Fall des Ben Johnson
1988s_innovation_19tyxchk Ein neuer Wundermann tritt auf, ein Kraftmeier, wie es noch keinen zuvor gegeben hat, ein Herkules und Berserker. Ben Johnson hat Muskeln an Stellen, von denen man bisher gar nicht wusste, dass dort überhaupt Muskeln sind. Kann so einer überhaupt laufen? Er kann, und wie: in nur 9,79 Sekunden schießt er über die 100 Meter, Carl Lewis ist klar geschlagen. Der schnellste aller Läufer heißt Ben Johnson. Oder doch nicht? Drei Tage nach Johnsons Sieg wird bekannt, dass er doch etwas mehr geschluckt haben muss als nur seine Vitamintabletten. Und der Welt wird suggeriert, es handele sich um einen Einzelfall. Was aber ist mit Johnsons Pedant auf den Sprintstrecken der Frauen, Florence Griffith-Joyner? Ihre Zeiten über 100 Meter (10,54 Sekunden) und 200 Meter (21,34 Sekunden) sind nicht von dieser Welt, ihre Muskeln wohl auch nicht. Aber ach, nichts Genaues weiß man nicht.

Irgendwie wird inzwischen fast jede Leistung hinterfragt, die der Schwimmerin Kristin Otto zum Beispiel, die bei sechs Starts gleich sechsmal Gold gewinnt. Oder die der Gewichtheber, von denen immerhin zwei, die Bulgaren Mitko Grablev und Angel Guetchev, ihre Goldmedaillen wegen Dopings verlieren. Ums Gold betrogen wird auch ein Boxer, Roy Jones, der im Halbmittelgewicht all seine Gegner dominiert wie kein Zweiter vorher. Im Finalkampf ist's nicht anders, doch auf wunderliche Weise erklären die Kampfrichter den Koreaner Si-Hun Park zum Sieger. Dem neutralen Beobachter steht der Mund ob dieser Entscheidung noch heute staunend offen.

XXV. Barcelona, 1992: Das Dream Team
Früher haben die USA ihre Basketballspiele quasi im Vorbeigehen gewonnen, das ist jetzt nicht mehr der Fall. Also schicken sie diesmal ihre besten Spieler aus der Profiliga NBA zu Olympia. Sie nennen es das "Dream Team", und es wird die einzige Mannschaft bleiben, die diese Bezeichnung verdient. Magic Johnson ist dabei, Larry Bird, Michael Jordan – das Beste vom Besten also. Und so spielen sie auch, die Gegner haben keine Chance, den knappsten Sieg gibt's im Finale, 117:85 gegen Kroatien.

Egerszegi_gal_s_05_2 Ein Traum ist auch die Leistung der stillen Ungarin Krisztina Egerszegy, die über beide Rückenstrecken wieder einmal das Maß der Dinge darstellt; und auch über die 400-Meter-Lagen holt die 18-Jährige Gold. Erst vierzehn Lenze zählt die Berlinerin Franziska van Almsick, die nach dem Gewinn von vier Medaillen allenthalben als Wunderkind gefeiert wird.

Ein wenig verwunderlich ist auch die Leistung des Dieter Baumann, der über 5000 Meter allen Afrikanern ein Schnippchen schlägt und als Erster ins Ziel läuft. Aber so etwas kann ja immer mal passieren. Weit weniger überraschend sind die Erfolge der deutschen Kanuten. Angeführt von der 30-Jährigen Birgit Schmidt, die bei ihren dritten Spielen ihre vierte Goldmedaille gewinnt, fahren die Boote des Deutschen Kanuverbandes sechsmal als Erste über die Ziellinie. Von Schmidt wird man noch mehr hören.

(Alle Bilder: IOC)

05. August 08

Olympia - ein Rückblick (VI)

XX. München, 1972: Die traurigen Spiele
Die USA sind schockiert. Ausgerechnet in dem Sport, den sie beherrschen wie keine andere Nation, müssen sie sich geschlagen geben. 49:48 liegt die UdSSR im Basketballfinale in Führung, da versenkt Doug Collins drei Sekunden vor Spielende zwei Freiwürfe zum 50:49 für die USA. Noch ein Angriff, die UdSSR trifft nicht, die Zeit ist abgelaufen. Aber nein, das Spiel war wohl unterbrochen, einer Auszeit wegen. Nächster Versuch der UdSSR, wieder kein Erfolg, jetzt ist's aber endgültig vorbei. Doch nein, wieder nicht, die Uhr hat verrückt gespielt, noch einmal müssen die drei Sekunden nachgespielt werden. Und diesmal sitzt der Wurf, die UdSSR jubelt, die Jungs aus den USA sind fassungslos, fühlen sich ums Gold betrogen. Wer denkt, ihr Zorn sei schnell verraucht, der sieht sich bald getäuscht. Die Silbermedaillen, auf die sie dankend verzichtet haben, fristen noch heute irgendwo in Lausanne ein einsames Dasein.

Spitz_gal_s_03 Auch im Sprint müssen sich die US-Amerikaner geschlagen geben, Waleri Borsow ist einfach schneller, warum auch immer. Im Schwimmstadion sieht die Sache freilich anders aus. Hier herrscht nur einer, Mark Spitz, der mit seinem Schnurrbart so gar nicht wie ein Schwimmer aussieht. Und doch fischt er gleich siebenmal Gold aus dem Wasser, das war noch nie da. Auch die junge Australierin Shane Gould, die gleich zwölfmal an den Start geht, macht reiche Beute: mit drei Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille fährt sie nach Hause. Die Deutschen feiern derweil die 16-jährige Ulrike Meyfarth, die im Hochsprung auf wundersame Weise zu Gold springt.

Überschattet werden die Spiele freilich vom Überfall arabischer Terroristen auf das Olympische Dorf. In den Morgenstunden des 5. September erschießen die Araber zwei Israelis und nehmen neun Sportler als Geiseln. Beim Befreiungsversuch sterben fünf Araber, ein deutscher Polizist und alle neun Geiseln. Die Spiele gehen trotzdem weiter.

XXI. Montreal, 1976: Eine Königin von vierzehn Jahren
Comaneci_gal_s_03 Sie ist noch ein kleines Mädchen, und trotzdem schon die Größte. Mehr noch, sie ist eine, die mit ihren Darbietungen eine ganze Sportart revolutioniert – und das mit gerade einmal vierzehn Jahren. Nadia Comaneci ist so unfassbar gut, dass sie als erste Turnerin der Welt die Traumnote zehn erhält, nicht einmal nur, nicht zweimal, nein, gleich siebenmal. Mit drei Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille wird die junge Rumänin zur Königin der Spiele.

Einer aus der neuen Generation der finnischen Wunderläufer gewinnt erneut zweimal Gold, wie schon vier Jahre zuvor in München. Wie ist das nur möglich, vier Jahre lang ist Lasse Viren doch kaum in Erscheinung getreten? Als er im Marathon nur Platz fünf belegt, macht das Gerücht von einem Blutaustausch die Runde, der nicht so recht angeschlagen habe. Es bleibt bei Gerüchten. Ähnlich überlegen wie Viren ziehen auch die Schwimmerinnen aus der DDR ihre Bahnen. Man muss sich schon fast wundern, dass sie nur elf von dreizehn möglichen Goldmedaillen mit nach Hause nehmen.

Karppinen_gal_s_01 Peter-Michael Kolbe ist Welt- und Europameister, keiner kann ihn im Ruder-Einer schlagen. Tatsächlich liegt er schon bald mit einer Länge in Führung, von der Konkurrenz ist nichts zu sehen. Doch dann, etwa 500 Meter vor dem Ziel, setzt der Finne Pertti Karppinen zum Endspurt an, er kommt näher und immer näher, Kolbe kann nicht reagieren, Karppinen zieht vorbei und gewinnt. Am nächsten Tag begründet Kolbe seine Niederlage mit einer Spritze, die er sich vor dem Endlauf habe geben lassen. Die Wundermittel Carboxylase und Thioctinsäure haben offensichtlich ihre Wirkung verfehlt.

XXII. Moskau, 1980: Das Duell
Die Sowjetunion marschiert in Afghanistan ein, das schreit nach Vergeltung. Und also rufen die USA auf zum Boykott, dem sich von den Nato-Staaten freilich nur die Bundesrepublik anschließt. Die Verantwortlichen gehören dafür noch heute an den Pranger gestellt.

Ovett_gal_s_03 Die Briten scheren sich jedenfalls keinen Deut um den Boykottaufruf, sie gewinnen lieber Medaillen. Daley Thompson hat ohne deutsche Konkurrenz leichtes Spiel im Zehnkampf, Alan Wells siegt über 100 Meter. Doch was ist das alles gegen das Duell, das sich die Herren Coe und Ovett liefern? Sonst jagen sie nur so von Weltrekord zu Weltrekord, jetzt endlich soll die Frage nach dem besten Mittelstreckler im direkten Zweikampf beantwortet werden. Die Antwort bleibt allerdings aus, beide sind wohl gleich gut: Steve Ovett siegt über 800, Sebastian Coe über 1500 Meter.

Dityatin_gal_s_01 Nadia Comaneci gewinnt noch einmal zwei Goldmedaillen, doch zum Star avanciert ein Turner aus der UdSSR. Alexander Ditjatin räumt ab, wie noch kein anderer Olympionike vor ihm. Er gewinnt dreimal Gold, im Mehrkampf, an den Ringen und im Teamwettbewerb, belegt viermal noch den zweiten Platz und einmal immerhin den dritten. Was für eine Ausbeute.

(Alle Bilder: IOC)

04. August 08

Olympia - ein Rückblick (V)

XVII. Rom, 1960: Der Größte
Wann hat es das zuvor schon mal gegeben? Der Mann ist ein Phänomen, ein Naturereignis, fast so etwas wie das achte Weltwunder. Ja, er schwebt wie ein Schmetterling und sticht wie eine Biene, dieser Cassius Clay, der sich im Halbschwergewicht den Lorbeer holt. Schon in Rom deutet der 18-Jährige an, dass er einmal zu den Größten seines Metiers gehören wird, vielleicht ist er sogar der Größte.

Gerevich_gal_s_04 Auch in anderen Sportarten stehen die Sieger quasi von vornherein fest. Da ist zum einen der dänische Segler Paul Elvström, der die Finn-Dinghy-Klasse schon dreimal hintereinander gewonnen hat. Wer soll ihn denn diesmal schlagen? Es ist keiner in Sicht, auch in Rom nicht. Und doch ist Elvström noch weit entfernt vom Rekord dieses unverwüstlichen Mannes aus Ungarn, der noch immer mit seinem Team die Goldmedaille im Säbelfechten gewonnen hat, fünfmal bisher insgesamt. Wie selbstverständlich geht der 50-Jährige Aladár Gerevich auch jetzt wieder als Sieger von der Planche, 28 Jahre nach seinem ersten Triumph anno 1932 in Los Angeles. Sechs Goldmedaillen hintereinander – das ist seither keinem andern mehr gelungen.

Rudolph_gal_s_10 Bei der Suche nach dem schnellsten Mann der Welt wird man in Deutschland fündig. Das Rennen über die 100 Meter wird zum Geduldsspiel, drei Fehlstarts zerren an den Nerven. Nur diesen Armin Hary aus Quierschied ficht das alles nicht an, souverän lässt er die sieggewohnten US-Amerikanern hinter sich. Sein Pedant bei den Frauen ist Wilma Rudolph, jene "schwarze Gazelle", die so elegant läuft wie keine Zweite im Feld. Erinnerungen werden wach, denn genau wie "Gummimensch" Ray Ewry hat auch sie einst an der Kinderlähmung gelitten. Wie sprachlos ist die Welt aber erst, als der unbekannte Äthiopier Abebe Bikila barfuß zum Sieg im Marathonlauf rennt. Das Staunen nimmt kein Ende.

Von einer Trauerfeier will in Rom keiner etwas wissen, der Toten gedenkt man nicht so gern. Als Fuß- oder Endnote sei der Name des Verstorbenen an dieser Stelle dennoch genannt: Knud Jensen. Bis obenhin mit Aufputschmitteln vollgestopft, ist der Däne während des 100-Kilometer-Mannschaftsfahrens tot vom Rad gefallen.

XVIII. Tokio, 1964: Ein Holländer stürzt Japan ins Tal der Tränen
Wer anders kann im Judo gewinnen als ein Japaner? Der Sport ist neu im Olympischen Programm, die Gastgeber haben es so gewünscht. Und dann das: Drei von vier Goldmedaillen gehen zwar nach Japan, doch ausgerechnet in der Königsklasse, der Offenen Kategorie, schnappt ein Europäer den Gastgeber das Gold vor der Nase weg. Der holländische Riese Anton Geesink lässt Akio Kaminaga im Finale keine Chance.

Starke Männer dominieren auch die Wettbewerbe der Leichtathletik. Im Zehnkampf liefern sich der Leverkusener Willi Holdorf und Rein Aun (UdSSR) ein erbittertes Duell, das erst im abschließenden 1500-Meter-Lauf entschieden wird. Holdorf darf gegen Aun nicht mehr als 18 Sekunden verlieren, das wird schwer. Aun läuft los wie der Teufel, rennt allen auf und davon, nimmt Holdorf Meter um Meter ab. Zu Beginn der letzten Runde rafft Holdorf sich noch einmal auf, verkürzt den Abstand, gerät zehn Meter vor dem Ziel ins Stolpern, geht um ein Haar zu Boden, fängt sich wieder, stürzt ins Ziel, bricht zusammen. Zwölf Sekunden hat er nur auf Aun verloren, das reicht, Holdorf ist Olympiasieger.

Als schnellster Mann der Welt darf sich diesmal wieder ein US-Amerikaner feiern lassen. Bob Hayes gewinnt nicht nur, er nimmt das Feld auseinander. Vor allem seine Leistung im Staffelfinale ist nicht von dieser Welt. An vierter Stelle liegend übernimmt er den Stab, überholt den ersten, den zweiten, den dritten, fliegt geradezu an seinen Gegnern vorbei, 8,9 Sekunden bis zur Ewigkeit. Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich.

XIX. Mexiko-Stadt, 1968: Black Power
Beamon_gal_s_03 Bob Beamon gelingt der Sprung ins nächste Jahrhundert: 8,90 Meter im Weitsprung, 55 Zentimeter weiter als der Weltrekord. Ob die Kampfrichter korrekt gemessen haben? Man kann auch heute noch nicht so recht daran glauben. Black Power auch über 200 Meter: Goldmedaillengewinner Tommy Smith und der Drittplatzierte John Carlos strecken bei der Siegerehrung die schwarz behandschuhten Fäuste gen Himmel. Den Gruß der Black-Power-Bewegung kann die Mannschaftsleitung der USA nicht durchgehen lassen, Smith und Carlos werden von den Spielen ausgeschlossen. Etwas vollkommen Neues bekommt die Welt im Hochsprung geboten. Dick Fosbury kreiert einen revolutionären Sprungstil, den Flop, bei dem er rückwärts mit Kopf und Schulter zuerst die Latte überquert. Er wird mit der Goldmedaille belohnt.

Die Deutschen treten erstmals mit getrennten Mannschaften an. Dennoch haben sie zwei Dinge gemeinsam: die Hymne (Beethovens neunte Symphonie) und die Flagge (schwarz-rot-golden mit den Olympischen Ringen in der Mitte).

Caslavaska_gal_s_07 Das sportlichste Ehepaar kommt aus dem Lager der Turner. Während Michail Woronin (UdSSR) zweimal Gold, viermal Silber und einmal Bronze gewinnt, nimmt Ehefrau Sinaida je eine goldene, silberne und bronzene mit nach Hause. Auch die tschechische Turnkönigin Věra Čáslavská will es mit der Ehe versuchen. Noch während der Spiele heiratet die viermalige Olympiasiegerin in der Kathedrale von Mexiko-Stadt ihren Landsmann Josef Odložil. Es sollen schon glücklichere Ehen geschlossen worden sein.

(Alle Bilder: IOC)

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