Kalenderblatt
16. März 10

Geburtstag: Caroline Herschel, Astronomin (1750)
Todestag: Egon Friedell, Schriftsteller (1938)
Heiliger des Tages: Heribert von Köln, Erzbischof
Weiteres zum Tage: Robert Goddard startet die erste Flüssigkeitsrakete der Welt (pdf) (1926)

Zitat des Tages
"Dummheit ist ein gutes Ruhekissen."

EGON FRIEDELL
''Traurige Beobachtungen', in: Die Schaubühne, siebter Jahrgang, erster Band (Berlin 1911, Seite 222)

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66 posts categorized "Sport"

28. Februar 10

Wie sich die Medaillen gleichen

Olympische Winterspiele in Vancouver wie in Turin 

Frankfurt am Main (sts): Es ist schon einigermaßen erstaunlich. Die deutschen Sportler holten bei den eben in Vancouver (Kanada) zu Ende gegangenen Olympischen Winterspielen fast die gleiche Anzahl von Medaillen wie vor vier Jahren in Turin. Die Gesamtzahl von 30 Medaillen lag nur um eine höher als in Turin, auch die Verteilung in Gold, Silber und Bronze zeigte nur eine ganz geringfügige Abweichungen. Während in Turin elf Goldmedailen zu Buche standen, war es in Vancouver eine weniger (10). Die Anzahl der gewonnenen Silbermedaillen war in Vancouver um eine höher (13), bei den Bronzemedaillen wurde in Vancouver (7) eine mehr als in Turin (6) gewonnen. Die Medaillenzähler in den Dachorganisationen des Sports werden nach der Rückkehr aus Kanada nun zu tun bekommen, um das Ergebnis präzise zu analysieren und danach festzustellen, ob das Ganze nun ein Fortschritt, ein Stillstand oder – im Hinblick auf die gemachten Anstrengungen aller Beteiligten – vielleicht sogar ein Rückschritt war.

15. Februar 10

Keine Zeit zum Trauern

Kommentar der Neuen Osnabrücker Zeitung 

Osnabrück (ots): Im Zusammenhang mit dem Todessturz des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver hat die Neue Osnabrücker Zeitung unter der Überschrift „Keine Zeit zum Trauern“ einen Kommentar veröffentlicht, der geignet ist, sowohl über die Organisatoren des Spektakels als auch über die modernen Gladiatoren in den Arenen nachzudenken. 

Das Blatt schreibt: 

Augen zu und durch: Der tragische Unfalltod von Nodar Kumaritaschwili hat Olympia nicht aus der Spur gebracht. Eine Schweigeminute gab's für den jungen Georgier, Fahnen hingen auf halbmast. Für echte  Trauerarbeit blieb keine Zeit, das Programm im Zeichen der Ringe musste durchgepeitscht werden. Weder Boykotte, Tragödien noch schwere Unfälle haben Olympia bremsen können. Der Satz vom damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage nach dem Terroranschlag von München 1972 ist in Stein gemeißelt: "The Games must go on", koste es, was es wolle. Einzelschicksale zählen nicht. Keine 24 Stunden, nachdem der Eiskanal von Whistler zur Todesbahn geworden war, rasten die Rodler wieder zu Tal. 

Das IOC muss aufpassen, dass das Maß nicht verloren geht. Wie es scheint, wird nach dem Prinzip "Spektakel vor Sicherheit" verfahren. Das trifft nicht nur auf das Rodeln zu, sondern gilt auch für alle anderen Highspeed-Disziplinen auf Schnee und Eis. Es kommt auf Rasanz und Fernseh-Tauglichkeit an. Nicht zufällig haben in den letzten Jahren Freestyle, Skeleton, Shorttrack und Snowboard in der Halfpipe das olympische Programm erobert. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass Kumaritaschwilis Tod den Spielen ein wenig die Geschwindigkeit nimmt, ist eher gering.

 

09. Februar 10

„Nonsense“-Highway

Mäßiger Fünf-Ringe-Enthusiasmus in Vancouver 

Vancouver (isk): Ein Blick nach Kanada, ein Blick nach Vancouver. Dort werden am 12. Februar die Olympischen Winterspiele beginnen und zwei Wochen später enden. Die Züge der neuen Canada Line, die Downtown Vancouver mit dem Flughafen und Richmond im Süden verbindet, sind gut ausgelastet. Trotzdem schimpfen einige, dass dieses Geld (immerhin rund 1,3 Milliarden Euro) für andere Projekte besser angelegt sei. Auch der neue Highway „Sea to Sky“ ins Ski-Depot Whistler (400 Millionen Euro) sei bloß für die 17 olympischen Tage sinnvoll – und damit „Nonsense“ (The Globe and Mail). Alles also nur Anti-Olympioniken an der kanadischen Westküste? Natürlich auch viele Befürworter, und das kritische  Beäugen gehörte bislang zu allen Olympischen Spielen, spätestens nach der ersten Goldmedaille für die Gastgeber rücken sie dann in den Hintergrund.. Dann ziehen die Olympics (fast) alle in ihren Bann. Wahrscheinlich jedenfalls. 

Den ausländischen Ankömmlingen am Airport schlägt jedenfalls nicht gerade der große Enthusiasmus entgegen. So präsentierte sich Vancouver auch vor Jahresfrist bei den Test-Wettkämpfen auf Eis und Schnee. Und damals war es viel kälter, echt winterlich sogar. Ein paar gesperrte Straßen, die Olympic Lane (gerne von Radfahrern benutzt) und Fähnchen weisen auf das Großereignis hin. In der City nehmen die Dekorationen im Olympia-Design vorsichtig zu, sind gewaltige Umleitungen zu befolgen. Gelb gekleidete Menschen halten Schilder mit Stop und Slow in die Höhe, die zahlreichen offiziellen Autos des GM-Fuhrparks (fast unvorstellbar, dass sich außerhalb von Vancouver noch ein Modell dieser Marke findet…) sind im offiziellen Design lackiert, rollen aber – noch – meist ohne Passagiere durch die Gegend. Wahrscheinlich üben die Chauffeure den bevorstehenden Ernstfall. Ein Blatt kündigt gar „Street Games“ an, weil der öffentliche Nahverkehr, trotz der Canada Line, hoffnungslos überfordert sein dürfte. 

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08. Februar 10

Maskenmänner

Sven Sonntag schoss das „Sportfoto des Jahres“ 

Nürnberg (ots): Das kuriose Siegerfoto mit dem Titel "Maskenball" schoss Sven Sonntag (44) beim Regionalligaspiel Türkiyemspor Berlin gegen den Chemnitzer FC. Das Besondere in dieser Partie war,  dass auf beiden Seiten "Maskenmänner" spielten. Der Fotograf erkannte die ungewöhnliche Situation und löste im richtigen Moment aus. 

Mit 672 eingereichten Motiven von 86 Fotografen ging der Wettbewerb "Das Sportfoto des Jahres" zu Ende. Unter der Federführung von kicker-sportmagazin, in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Sportjournalisten, hat eine Jury von Fachleuten, darunter kicker-Herausgeber Rainer Holzschuh, 25.000 Euro an Preisgeldern verteilt. Im Wettbewerb wurden Bilder in vier Kategorien bewertet. "Das Sportfoto des Jahres" erhält 5000 Euro und ist damit der höchst dotierte Preis für Sportfotografen in Deutschland. Alle ausgezeichneten Motive wurden am 8. und werden am 15. Februar in kicker-sportmagazin veröffentlicht. Danach gehen Großkopien der prämierten Fotos und eine Auswahl der schönsten Bilder in einer Wanderausstellung auf Deutschland-Tournee. "Das Sportfoto des Jahres" wird seit 1963 vom VDS vergeben. (Fotoquelle: obs/Sven Sonntag/picture point).

19. November 09

Comeback des großen Gegners

Westdeutsche Allgemeine über die Wandelbarkeit im Fußball 

Essen (ots) - Was lange genug wiederholt wird, hat eine gute Chance, im Kopf zur festen Größe zu werden. So weiß der Deutsche nach Jahren der Gehirnwäsche durch die Trainer der deutschen Fußball- Nationalmannschaft endlich: Es gibt keine kleinen Gegner mehr. Auch San Marino zum Beispiel ist kein  kleiner Gegner. San Marino ist ein Gegner, dem mit Respekt begegnet wird, den Urs "der Chefscout" Siegenthaler über Monate hinweg beobachtet hat, von dessen Spielern er berichten kann, ob sie glücklich verheiratet sind oder unter leistungsfressendem Beziehungsstress zu leiden haben. Und jetzt das. Ein WM-Testspiel gegen Argentinien ist für März 2010 bereits fixiert, und es wurde verhandelt über weitere Partien gegen Frankreich, Spanien und England, die von Teammanager Oliver Bierhoff ausdrücklich als "Topgegner" deklariert wurden. Was bedeutet: Es muss auch kleine Gegner geben. Was bedeutet: Das Wissen, das uns mühsam eingetrichtert wurde, ist nur Hirnschrott. Andererseits: Das ahnten wir immer schon. 

(Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

06. November 09

In der Todeszone

Extremsport birgt Gefahren für Mensch und Umwelt 

Neu-Isenburg: Die Extremisten der Wohlstandswelt sind gewöhnlich nicht politisch, sondern eher sportlich motiviert. Auf dem weiten Feld des ausufernden Körperkults und der Suche nach beflügelndem Seelenheil finden sie alles, was ihrem Egotrip zuträglich erscheint. Sie wollen die Grenzen der persönlichen Leistungsfähigkeit ausloten und dabei am liebsten auch gleich überschreiten. So werden ständig neue Rekordmarken gesetzt,  immer spektakulärere Ziele verfolgt und menschenmögliche Bewertungsmaßstäbe verschoben. Den ohnehin kleiner werdenden Refugien unberührter Natur auf dem Erdball Gewalt anzutun, gehört dabei immer häufiger zum Prinzip. Schließlich sind Nachahmereffekte bis hin zum Massenauftritt selbst hier nicht zu unterschätzen. So bleibt kein Gipfel unbezwungen, kein Tiefsee-Tauchgang ohne Folgen, keine Polar- oder Urwaldregion und auch keine Wüste dieser Welt von sportambitionierten Grenzverletzungen verschont. Die letzten Abenteuer der Menschheit verkommen zu sportlichen Herausforderungen – notfalls mit Hilfe der Technik, die Hindernisse schrumpfen lässt. 

Zu solchen Inszenierungen von Leistungsfähigkeit in der Todeszone passt der wachsende Extremismus im Sportalltag. Da werden nicht nur neue Disziplinen in Serie „erfunden“ oder umetikettiert – als Beispiele seien Eisschwimmen, Tieftauchen, Base-Jumping, Free-Solo-Klettern, Skydiving, Einhandsegeln, Motorradakrobatik oder Wildwasserschwimmen genannt. Auch herkömmliche Sportarten wie Laufen, Radfahren, Schwimmen und Skilaufen werden durch exzessive Ausübung in vielerlei Richtung zu Risikofaktoren, die sogar Suchtgefahren beinhalten können. 

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22. Oktober 09

Olympisches Feuer

Fackellauf für Winterspiele in Vancouver begann in Olympia 

Olympia (Griechenland): Bald ist es wieder soweit und es wird olympisch, Die 21. Winterspiele im kanadischen Vancouver stehen vor der Tür (12. bis 28. Februar 2010), und für ein solches Ereignis braucht es nicht nur Schnee und Eis – was beides in Kanada erfahrungsgemäß reichlich vorhanden sein sollte –, sondern auch viel Geld, denn ohne dieses geht bei Olympia rein garnichts mehr. Außerdem bedarf es natürlich der Werbung weltweit, um  den „Event“ entsprechend vermarkten zu können und die Lust auf Fernseh-Zuschauen zu wecken. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch der Tradition wegen, gab es jetzt, knapp vier Monate vor dem Startschuss zu den Spielen, die erste große Veranstaltung. In der griechischen Westpräfektur Elis das Olympische Feuer entfacht worden. Die Zeremonie fand im historischen Stadion in Olympia, dem antiken Geburtsort der Olympischen Spiele, statt. Der Tradition entsprechend rief der Präsident des Internationalen Olympisches Koittees (IOC), Jacques Rogge (Belgien) während der Feier alle Staaten der Welt auf, den Olympischen Frieden zu wahren. Wie der Chef des Organisationskomitees Vancouver 2010, John Furlong, dabei mitteilte, wird die Fackel durch 1030 kanadische Städte getragen. Mit 45 000 Kilometern werde das der längste Fackellauf in der Olympischen Geschichte sein, an dem mehr als 12 000 Kanadier teilnehmen, sagte Furlong. Vor den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 war ein solcher zu den Spielen gehörender Fackellauf von vielen westlichen Medien in Frage gestellt worden; im Zusammenhang mit Vancouver ist davon nicht mehr die Rede. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…


26. Oktober 08

Impressionen vom Frankfurt Marathon 2008

Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008 Frankfurt Marathon 2008

07. August 08

Olympia - ein Rückblick (VIII)

XXVI. Atlanta, 1996: Bonjour tristesse
Es müssen schon merkwürdige Spiele sein, wenn der Auftritt eines kranken Mannes als einziges Aha-Erlebnis in Erinnerung bleibt. Am ersten Tag also entzündet der an Parkinson leidende Muhammad Ali das Olympische Feuer, das bewegt die Massen. Doch was kommt danach? Nicht mehr viel, es sind eher triste Spiele. Die Stimmung ist eh schon mies, als acht Tage nach der Eröffnungsfeier auch noch eine Bombe hochgeht, die einer Frau das Leben kostet und 111 weitere Menschen verletzt. Wer kann da schon noch fröhlich sein?

Auch sportlich hat Atlanta nicht allzu viel zu bieten. Zwar gelingt Michael Johnson das seltene Kunststück, sowohl über 200 als auch über 400 Meter zu triumphieren, doch was ist von seiner Zeit zu halten, die er für die kürzere der beiden Distanzen benötigt? 19,32 Sekunden für 200 Meter, wie ist das möglich? Die Französin Marie-José Perec tut es dem US-Amerikaner gleich, auch sie gewinnt die Läufe über 200 und 400 Meter. Die Öffentlichkeit bemerkt es kaum.

Popov_gal_s_03_2 Doch nicht alles ist schlecht. Im Schwimmstadion zum Beispiel siegt die Eleganz über die Kraft. Meist ist ein schöner Schwimmstil nur nett anzuschauen, bringt aber keinen Erfolg. Anders bei Alexander Popow, der mit seinem ästhetischen Stil dankenswerterweise auch noch schneller ist als seine Gegner. Zwei Gold- und zwei Silbermedaillen sind der verdiente Lohn, man gönnt es dem Russen.

XXVII. Sydney, 2000: Das Ende einer Ära

Redgrave_gal_s_04 Birgit Schmidt gewinnt noch immer, jetzt unter dem Namen Fischer. Ihren ersten Olympiasieg hat die 38-Jährige  vor mittlerweile zwanzig Jahren in Moskau errungen, diesmal gewinnt sie im Zweier- und Viererkajak. Eine Erfolgstory über zwei Jahrzehnte – damit steht sie im modernen Zeitalter alleine da. Oder doch nicht? Der britische Ruderer Steven Redgrave, im selben Jahr wie Fischer geboren, ist das erste Mal 1984 dabei gewesen. Dort gewann er Gold, genauso wie in Seoul, Barcelona und Atlanta. Auch in Sydney steht er wieder ganz oben auf dem Treppchen, diesmal im Vierer ohne Steuermann. Gold bei fünf aufeinanderfolgenden Spielen – für einen Ausdauersportler ein einmaliger Rekord.

Karelin_gal_s_01 Auch im Ringen gibt es einen, der immer und überall gewinnt: Alexander Alexandrowitsch Karelin. Der russische Riese ist in der Tat unschlagbar, seit dreizehn Jahren hat der 33-Jährige aus Nowosibirsk nicht einen Kampf im Superschwergewicht (griechisch-römisch) verloren. Natürlich steht der dreimalige Olympiasieger auch jetzt wieder im Finale, von seinem Gegner hat noch kaum jemand etwas gehört. Doch das Unfassbare geschieht: Karelin muss eine Wertung abgeben, liegt plötzlich 0:1 zurück. Nicht schlimm, so möchte man meinen, früher oder später wird er diesen Rulon Gardner schon noch zu Boden zwingen. Doch weit gefehlt, Karelin kommt einfach nicht an Gardner ran, der windet und dreht sich, dann ist der Kampf aus. Der Unbesiegbare ist besiegt, eine Ära ist zu Ende gegangen.

XXVIII. Athen, 2004: Irrungen und Wirrungen
Manchmal geht aber auch wirklich alles schief. Das weiß jetzt auch Matthew Emmons, der vor dem letzten Schuss des Kleinkaliber-Dreistellungskampfs deutlich in Führung liegt. Was kann da schon noch groß passieren? Man kann zum Beispiel auf die Scheibe schießen, die dem Nachbarn gehört. Ein Nuller aber in einem Wettbewerb der Schützen – das ist tödlich. Emmons fällt auf den achten Platz zurück, der Traum von Gold ist ausgeträumt.

Und was ist beim Turnen los? Die Wertungen der Offiziellen fallen jedenfalls reichlich mysteriös aus, sind die Kampfrichter etwa betrunken? Nach einer besonders abstrusen Benotung geht zwischendurch auch das Publikum auf die Barrikaden. Es nützt aber alles nichts, Alexej Nemow muss sich im Reckfinale mit Platz fünf begnügen. Noch schlimmer geht es im Mehrkampffinale zu, wo ein Zählfehler zu Ungunsten des drittplatzierten Südkoreaners Tae Young Yang das Ergebnis zu verfälschen droht. Der US-Amerikaner Paul Hamm darf seine Goldmedaille dennoch behalten.

Phelps_gal_s_08 Mark Spitz hat 1972 gleich sieben Goldmedaillen gewonnen, holt Michael Phelps noch eine mehr? Nein, nicht ganz, der US-Amerikaner muss sich mit sechs Gold- und zwei Bronzemedaillen begnügen. Trotzdem kommt man aus dem Staunen kaum raus. Erstaunliches tut sich auch im Marathonlauf der Männer. Acht Kilometer vor dem Ziel springt ein Fanatiker nach vorne, greift sich den führenden Brasilianer Vanderlei de Lima und zerrt ihn von der Straße. Als Lima sich wieder losmachen kann, hat er 20 seiner 48 Sekunden Vorsprung verloren. Kurze Zeit später stürmen der Italiener Stefano Baldini und der US-Amerikaner Mebrahtom Keflezighi an Lima vorbei, der sich irgendwie noch als Dritter ins Ziel rettet. Man glaubt das alles nicht.

Fischer_gal_s_06 Und Birgit Fischer? Natürlich gewinnt sie wieder zwei Medaillen, eine goldene und eine silberne. Wann wird das jemals aufhören?

(Alle Bilder: IOC)

06. August 08

Olympia - ein Rückblick (VII)

XXIII. Los Angeles, 1984: Ein Kugelblitz schlägt ein
Was dem einen recht, ist dem andern billig. Diesmal ist die UdSSR mit ihrem Boykott an der Reihe, vierzehn weitere Staaten sagen ihre Teilnahme ebenfalls ab. Das tut der Stimmung in den Stadien nur wenig Abbruch, vielleicht ist man ja auch ganz froh, dass der eine oder andere Favorit zu Hause Däumchen drehen muss.

Lewis_gal_s_02 Carl Lewis ist das alles vollkommen egal, er hätte so oder so gewonnen. Und doch fällt auf, dass die Zuschauer mit jedem Erfolg eher stiller als lauter werden. Was auch immer er anstellt, Lewis kann die Massen einfach nicht für sich begeistern. Man weiß es zwar nicht genau, aber vielleicht stünde der viermalige Goldmedaillengewinner ein wenig höher in der Gunst, wenn er nicht ganz so blasiert auftreten würde.

Wie anders dagegen reagiert das Volk bei seiner Landsfrau Mary Lou Retton, die mit ihrem Gewicht von 42,5 Kilogramm bei einer Größe von 1,42 Meter irgendwie an einen Kugelblitz erinnert. Immerhin, ganz konkurrenzlos geht sie nicht an den Start. Die Rumäninnen sind ja dabei, die könnten ihr gefährlich werden, allen voran Ecatarina Szabo. Doch gegen die Macht der Massen ist auch Szabo machtlos. Denn wie können die Punktrichter objektive Noten verteilen, wenn die Zuschauer bei jedem Auftritt der Retton geradezu in Ekstase geraten? Der Sieg im Achtkampf ist dem Energiebündel jedenfalls nicht zu nehmen, je zwei Silber- und Bronzemedaillen runden ihr Ergebnis ab.

Gross_gal_s_03 Vier Mann braucht es, um einen Michael Groß zu schlagen. Der 20-jährige Bub aus Frankfurt hätte die deutsche Schwimmstaffel fast alleine zum Erfolg geführt, allein die vier Jungs aus den USA hatten etwas dagegen. Hut ab auch vor der Leistung von Ulrike Meyfahrt, die zwölf Jahre nach ihrem Olympiasieg von München zum zweiten Mal den Hochsprung gewinnt.

XXIV. Seoul, 1988: Der Fall des Ben Johnson
1988s_innovation_19tyxchk Ein neuer Wundermann tritt auf, ein Kraftmeier, wie es noch keinen zuvor gegeben hat, ein Herkules und Berserker. Ben Johnson hat Muskeln an Stellen, von denen man bisher gar nicht wusste, dass dort überhaupt Muskeln sind. Kann so einer überhaupt laufen? Er kann, und wie: in nur 9,79 Sekunden schießt er über die 100 Meter, Carl Lewis ist klar geschlagen. Der schnellste aller Läufer heißt Ben Johnson. Oder doch nicht? Drei Tage nach Johnsons Sieg wird bekannt, dass er doch etwas mehr geschluckt haben muss als nur seine Vitamintabletten. Und der Welt wird suggeriert, es handele sich um einen Einzelfall. Was aber ist mit Johnsons Pedant auf den Sprintstrecken der Frauen, Florence Griffith-Joyner? Ihre Zeiten über 100 Meter (10,54 Sekunden) und 200 Meter (21,34 Sekunden) sind nicht von dieser Welt, ihre Muskeln wohl auch nicht. Aber ach, nichts Genaues weiß man nicht.

Irgendwie wird inzwischen fast jede Leistung hinterfragt, die der Schwimmerin Kristin Otto zum Beispiel, die bei sechs Starts gleich sechsmal Gold gewinnt. Oder die der Gewichtheber, von denen immerhin zwei, die Bulgaren Mitko Grablev und Angel Guetchev, ihre Goldmedaillen wegen Dopings verlieren. Ums Gold betrogen wird auch ein Boxer, Roy Jones, der im Halbmittelgewicht all seine Gegner dominiert wie kein Zweiter vorher. Im Finalkampf ist's nicht anders, doch auf wunderliche Weise erklären die Kampfrichter den Koreaner Si-Hun Park zum Sieger. Dem neutralen Beobachter steht der Mund ob dieser Entscheidung noch heute staunend offen.

XXV. Barcelona, 1992: Das Dream Team
Früher haben die USA ihre Basketballspiele quasi im Vorbeigehen gewonnen, das ist jetzt nicht mehr der Fall. Also schicken sie diesmal ihre besten Spieler aus der Profiliga NBA zu Olympia. Sie nennen es das "Dream Team", und es wird die einzige Mannschaft bleiben, die diese Bezeichnung verdient. Magic Johnson ist dabei, Larry Bird, Michael Jordan – das Beste vom Besten also. Und so spielen sie auch, die Gegner haben keine Chance, den knappsten Sieg gibt's im Finale, 117:85 gegen Kroatien.

Egerszegi_gal_s_05_2 Ein Traum ist auch die Leistung der stillen Ungarin Krisztina Egerszegy, die über beide Rückenstrecken wieder einmal das Maß der Dinge darstellt; und auch über die 400-Meter-Lagen holt die 18-Jährige Gold. Erst vierzehn Lenze zählt die Berlinerin Franziska van Almsick, die nach dem Gewinn von vier Medaillen allenthalben als Wunderkind gefeiert wird.

Ein wenig verwunderlich ist auch die Leistung des Dieter Baumann, der über 5000 Meter allen Afrikanern ein Schnippchen schlägt und als Erster ins Ziel läuft. Aber so etwas kann ja immer mal passieren. Weit weniger überraschend sind die Erfolge der deutschen Kanuten. Angeführt von der 30-Jährigen Birgit Schmidt, die bei ihren dritten Spielen ihre vierte Goldmedaille gewinnt, fahren die Boote des Deutschen Kanuverbandes sechsmal als Erste über die Ziellinie. Von Schmidt wird man noch mehr hören.

(Alle Bilder: IOC)

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