XX. München, 1972: Die traurigen Spiele
Die USA sind schockiert. Ausgerechnet in dem Sport, den sie beherrschen wie keine andere Nation, müssen sie sich geschlagen geben. 49:48 liegt die UdSSR im Basketballfinale in Führung, da versenkt Doug Collins drei Sekunden vor Spielende zwei Freiwürfe zum 50:49 für die USA. Noch ein Angriff, die UdSSR trifft nicht, die Zeit ist abgelaufen. Aber nein, das Spiel war wohl unterbrochen, einer Auszeit wegen. Nächster Versuch der UdSSR, wieder kein Erfolg, jetzt ist's aber endgültig vorbei. Doch nein, wieder nicht, die Uhr hat verrückt gespielt, noch einmal müssen die drei Sekunden nachgespielt werden. Und diesmal sitzt der Wurf, die UdSSR jubelt, die Jungs aus den USA sind fassungslos, fühlen sich ums Gold betrogen. Wer denkt, ihr Zorn sei schnell verraucht, der sieht sich bald getäuscht. Die Silbermedaillen, auf die sie dankend verzichtet haben, fristen noch heute irgendwo in Lausanne ein einsames Dasein.
Auch im Sprint müssen sich die US-Amerikaner geschlagen geben, Waleri Borsow ist einfach schneller, warum auch immer. Im Schwimmstadion sieht die Sache freilich anders aus. Hier herrscht nur einer, Mark Spitz, der mit seinem Schnurrbart so gar nicht wie ein Schwimmer aussieht. Und doch fischt er gleich siebenmal Gold aus dem Wasser, das war noch nie da. Auch die junge Australierin Shane Gould, die gleich zwölfmal an den Start geht, macht reiche Beute: mit drei Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille fährt sie nach Hause. Die Deutschen feiern derweil die 16-jährige Ulrike Meyfarth, die im Hochsprung auf wundersame Weise zu Gold springt.
Überschattet werden die Spiele freilich vom Überfall arabischer Terroristen auf das Olympische Dorf. In den Morgenstunden des 5. September erschießen die Araber zwei Israelis und nehmen neun Sportler als Geiseln. Beim Befreiungsversuch sterben fünf Araber, ein deutscher Polizist und alle neun Geiseln. Die Spiele gehen trotzdem weiter.
XXI. Montreal, 1976: Eine Königin von vierzehn Jahren
Sie ist noch ein kleines Mädchen, und trotzdem schon die Größte. Mehr noch, sie ist eine, die mit ihren Darbietungen eine ganze Sportart revolutioniert – und das mit gerade einmal vierzehn Jahren. Nadia Comaneci ist so unfassbar gut, dass sie als erste Turnerin der Welt die Traumnote zehn erhält, nicht einmal nur, nicht zweimal, nein, gleich siebenmal. Mit drei Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille wird die junge Rumänin zur Königin der Spiele.
Einer aus der neuen Generation der finnischen Wunderläufer gewinnt erneut zweimal Gold, wie schon vier Jahre zuvor in München. Wie ist das nur möglich, vier Jahre lang ist Lasse Viren doch kaum in Erscheinung getreten? Als er im Marathon nur Platz fünf belegt, macht das Gerücht von einem Blutaustausch die Runde, der nicht so recht angeschlagen habe. Es bleibt bei Gerüchten. Ähnlich überlegen wie Viren ziehen auch die Schwimmerinnen aus der DDR ihre Bahnen. Man muss sich schon fast wundern, dass sie nur elf von dreizehn möglichen Goldmedaillen mit nach Hause nehmen.
Peter-Michael Kolbe ist Welt- und Europameister, keiner kann ihn im Ruder-Einer schlagen. Tatsächlich liegt er schon bald mit einer Länge in Führung, von der Konkurrenz ist nichts zu sehen. Doch dann, etwa 500 Meter vor dem Ziel, setzt der Finne Pertti Karppinen zum Endspurt an, er kommt näher und immer näher, Kolbe kann nicht reagieren, Karppinen zieht vorbei und gewinnt. Am nächsten Tag begründet Kolbe seine Niederlage mit einer Spritze, die er sich vor dem Endlauf habe geben lassen. Die Wundermittel Carboxylase und Thioctinsäure haben offensichtlich ihre Wirkung verfehlt.
XXII. Moskau, 1980: Das Duell
Die Sowjetunion marschiert in Afghanistan ein, das schreit nach Vergeltung. Und also rufen die USA auf zum Boykott, dem sich von den Nato-Staaten freilich nur die Bundesrepublik anschließt. Die Verantwortlichen gehören dafür noch heute an den Pranger gestellt.
Die Briten scheren sich jedenfalls keinen Deut um den Boykottaufruf, sie gewinnen lieber Medaillen. Daley Thompson hat ohne deutsche Konkurrenz leichtes Spiel im Zehnkampf, Alan Wells siegt über 100 Meter. Doch was ist das alles gegen das Duell, das sich die Herren Coe und Ovett liefern? Sonst jagen sie nur so von Weltrekord zu Weltrekord, jetzt endlich soll die Frage nach dem besten Mittelstreckler im direkten Zweikampf beantwortet werden. Die Antwort bleibt allerdings aus, beide sind wohl gleich gut: Steve Ovett siegt über 800, Sebastian Coe über 1500 Meter.
Nadia Comaneci gewinnt noch einmal zwei Goldmedaillen, doch zum Star avanciert ein Turner aus der UdSSR. Alexander Ditjatin räumt ab, wie noch kein anderer Olympionike vor ihm. Er gewinnt dreimal Gold, im Mehrkampf, an den Ringen und im Teamwettbewerb, belegt viermal noch den zweiten Platz und einmal immerhin den dritten. Was für eine Ausbeute.
(Alle Bilder: IOC)
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