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Die Weiße Rose in Romanen
Viele Schriftsteller waren von den Studenten der Weißen Rose so beeindruckt, dass sie sie in ihren Werken kurz erwähnten. So spricht Thomas Mann im einundzwanzigsten Kapitel seines Romans Doktor Faustus von ›dem leidenschaftlichen Gelehrten, um den sich im Sommer der gräßlich im Blut erstickte Münchener Studentenaufruhr zentrierte‹ (Lit. 1, S. 231).
Grete Weil zieht im vierzehnten Kapitel ihres Romans Meine Schwester Antigone eine Analogie zwischen Antigone und Sophie Scholl (2: 112):
»Auf einem Foto gleicht Sophie Scholl der Johanna von Orléans im Film von Dreyer. Herb, nachdenklich, entschlossen, den bloßen Nacken, an dem das Haar hoch ansetzt, leicht gebeugt. Man kann den Hals nicht ansehen, ohne an das Fallbeil zu denken, das ihn durchschneiden wird. Das Foto quält, obwohl es nichts zeigt als einen schönen jungen Menschen.
Die Analogie zwischen Sophie und Antigone ist dicht. Menschen, die bis an die Grenze gehen. Die ihr Selbst voll ausschöpfen. Nicht nach dem Erfolg fragen, nur nach der eigenen Notwendigkeit. Unbequeme. Schwierige. Die uns zum Denken zwingen. Unser Bewußtsein wach machen.«
Richard Harris erwähnte die Weiße Rose im dritten Teil seines Buchs Fatherland (dt. Vaterland) gleich an zwei Stellen. Zuerst im dritten, als Xaver März durchs Studentenviertel in Dahlem wandert (3: 154), danach noch einmal kurz im fünften Kapitel:
»Die Weiße Rose, jene studentische Widerstandsbewegung, die während der vierziger Jahre kurz geblüht hatte, bis ihre Führer hingerichtet worden waren, wurde plötzlich wieder lebendig. IHR GEIST LEBT WEITER, sagten die Graffiti. Mitglieder der Weißen Rose murrten über die Einberufungsbescheide, hörten verbotene Musik, ließen aufrührerische Zeitschriften umlaufen, wurden von der Gestapo schikaniert.«
Die österreichische Autorin Vicki Baum verarbeitete in ihrem Roman Berlin Hotel (dt. Hotel Berlin) zahlreiche Informationen, die ihr über den Widerstand gegen das Nazi-Regime zugetragen worden waren. An manchen Stellen nimmt sie deutlich auf die Weiße Rose Bezug, so zum Beispiel hier (4: 66):
»Als sie die unglückselige Idee hatten, uns den Gauleiter Plottke zu schicken, trampelten und zischten wir. Er behandelte die Mädchen, als ob die Huren wären. Er schimpfte sie faule, unnütze Frauenzimmer, die besser daran täten, dem Vaterland Kinder zu gebären. Als wir trampelten, wurde der Herr Gauleiter hysterisch und drohte damit, die Universität schließen zu lassen. Das Gerücht verbreitete sich unter den Studenten, und am gleichen Nachmittag versammelten wir uns vor der Universität. Wir reagierten spontan. Dann kam die Polizei, um die Studentinnen zu verhaften, und wir Studenten bildeten einen Kreis um die Mädchen, um sie zu schützen.«
Auch Heinz Piontek ging in seinem Roman Die mittleren Jahre auf die Weiße Rose ein. So beschäftigte er sich im gesamten dreiundzwanzigsten Kapitel mit dem Widerstand der Studenten, und schon zu Beginn des fünften Kapitels heißt es (5: 36):
»Ich las Nieder mit Hitler an den Wänden und Hitler der Massenmörder und das Wort Freiheit. Alles war mit leuchtend roter Farbe geschrieben, mit breiten Pinseln, in der Nacht.«
Alfred Neumann hat der Weißen Rose sogar einen ganzen Roman gewidmet. Die Grundkonzeption war laut nachträglicher Feststellung des Autors zwar bereits in den 1930er-Jahren entwickelt worden, doch erst unter dem Eindruck des Artikel aus dem Time-Magazin vom 14. Juni 1943 konnte er sich an die Arbeit machen (6: Beiblatt):
»Dieser Artikel also ist die einzige ›Quelle‹ meines Romans, die Anregung, besser gesagt: die Auslösung eines epischen Unternehmens, das ich schon seit der Mitte der dreissiger Jahre geplant und in Schicksalen wie das des Professorenpaares oder des Vaters Möller oder der Familie Sauer bereits konzipiert hatte. Über London bekam ich noch den vollständigen Text des Flugblattes und die genauen Namen der fünf Hauptbeteiligten. Ich benutzte sie als Namenspatrone für meine Helden: ich gab ihnen ihre Vornamen.«
LITERATUR
1. Thomas Mann: Doktor Faustus. Frankfurt am Main: S. Fischer 1997
2. Grete Weil: Meine Schwester Antigone. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch 1997
3. Richard Harris: Vaterland. München: Heyne 1996
4. Vicki Baum: Hotel Berlin. München: Heyne 1976
5. Heinz Piontek: Die mittleren Jahre. München: dtv 1976
6. Alfred Neumann: Es waren ihrer sechs. Stockholm: Neuer Verlag 1945
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